Juli

31. August 2008

Tilo Stöhr und das Camping-Tier

Abgelegt unter: liebe Tiere — admin @ 18:09

Das Tier in dieser Geschichte kommt eigentlich erst ganz am Ende vor. Ich erwähne es aber gleich, da ich von ihm zwar ein Foto aufgenommen habe - wie es aus einem winzigen kleinen Outdoorzelt auf der Karl-Marx-Allee, Höhe Schillingstraße, des nachtens herausschaut - es mich aber bat dieses Bild nicht im Internet zu veröffentlichen. Den Wunsch erfülle ich ihm hiermit, da ich diese Bekanntschaft gern zu einer Freundschaft ausbauen würde. Ich zeigte ihm meine anderen Bilder des Tages, die ich auf meiner Digitalkamera noch so hatte und wir beschlossen ein Bild an dessen Stelle zu nehmen, welches es sonst nicht in den Bolg geschafft hätte, da mir dazu nichts passendes eingefallen wäre.

… ja, ja ganz schön sakral-kitschig, aber mein lieber neuer Freund war ganz verzaubert von dieser Stimmung. Wahrscheinlich, so sagte er, weil er nur noch selten bei Tageslicht durch die Stadt bummelt. Davon könne bei mir heut ebenfalls keine Rede sein, erzählte ich, und begann an dieser lauen Spätsommernacht, den ganzen Abend noch mal rückwärts aufzurollen. Mein kleiner Zuhörer hatte es sich in seinem Minischlafsack bereits richtig gemütlich gemacht.

Ich selber war noch ein bisschen verwirrt, von den Eindrücken bei den Freimaurern, die sich ja auch zu den Illuminaten zählen und somit zur heutigen Nacht eine neue Beziehung hergestellt zu sein schien.

Im Zelt murmelte einer:
“Das Zeichen ist und bedeutet, dass man sich lieber das Herz ausreissen wolle, als die Geheimnisse der Gesellen zu verraten.
Der Griff besteht in einem Druck auf Knöchel des zweiten Fingers.
Das Wort darf nicht ausgesprochen werden, sondern wird nur buchstabiert oder halbiert. B.-O.-A.-S.”

Mir schauderte. Ob er vorhin im Vorgarten des Hauses der Großen National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” auf einem Baum gesessen und uns von oben zugesehen hatte? Vielleicht war er der Alte Fritz, wiedergeboren als Eichhörnchen? He, he!

Das fragte ich aber lieber nicht, sondern fuhr fort.

Am besten fand ich schon mal die Busfahrt! Wirklich, ein Pfad der Erkenntnis! Den Kaiserdamm hoch, und ich sag noch: “Hey guck mal, HIER ist Tilo Stöhr - ha ha. Son rischtijes Berlina Orjinal!” … und nu, pünktlich zur IFA, hat die Globalisierung dieses Lokalkolorit in die Knie gezwungen. Ich hatte es dann gleich in der Zeitung gelesen: “Elektrohändler Tilo Stöhr hat aufgegeben.” Schade, vielleicht hätte ich mir da mal ein Transistorradio gekauft.

An der Endstation angelangt kam es uns tatsächlich vor, als wären wir in Löwenberg oder Lindow auf einem historischen Wanderweg unterwegs. Wir folgten dem Klang einer Melodie, die immer wieder durch den heran rollenden Autoverkehr unterbrochen wurde, doch ganz klar und eindeutig die Töne eines Cembalos sein mussten. Wir tauschten unsere Schuhe ein und sahen einer alten kleinen Frau, an dem aus der Renaissance stammenden Tasteninstrument, beim Spielen zu. Passend dazu tanzten Frauen in Frauen- und Männerkleidern. Ein unvergessliches Bild!

(Fortsetzung folgt)

28. August 2008

Unter dem Pilz

Abgelegt unter: liebe Tiere — admin @ 18:38

Heute als es zu regnen begann, schlüpfte ich gemeinsam mit einer Ameise, einem Schmetterling mit nassen Flügeln, einer kleinen Feldmaus, einem müden Spatzenjungen und einem Hasen der auf der Flucht war, unter einen Pilz.

27. August 2008

Weil Eri Willi liebt …

Abgelegt unter: liebe Tiere — admin @ 20:04

Vielleicht war Willi das kleine Kätzchen aus meinem Traum. Vieles würde dafür sprechen. Der Traum ging damals vor ca. fünf Jahren so:

Ich war wieder in Baumschulenweg. Da habe ich mit meiner Schwester und meiner Mutter gelebt als ich zehn war. Die Direktoren der Roten Schule, so eine aus schönem alten Backstein, in der Kiefholzstraße rief mich an. Im Traum war ich eine ehemalige Schülerin. In Wahrheit bin ich in so eine Neubau-Schule in der Hänselstraße um die Ecke gegangen. Ich bekam also einen dringenden Anruf und in dem ich erfuhr nur, dass ich die einzige wäre, die das Problem womöglich lösen könnte. Meine Verwunderung war groß, da ich mir nun wirklich nicht im entferntesten vorstellen konnte worum es ging. Ich hatte sogar ein bisschen Angst zu der Schule zu gehen. Aber es war schöner Spätsommer und die Sonne schien dementsprechend und außerdem war das Gebäude mit seiner efeubewachsenen Fassade und dem großen Innenhof ein schöner Ort an diesem Abend und ich dachte die Direktorin können schon nichts Schlimmes von mir wollen.

Als ich nun also auf diesem Schulhof stand, kamen schon die Lehrerinnen und viele Kinder auf mich zugernannt. Noch sah ich nicht was los war. Das änderte sich, als etwas wie wild auf und ab und kreuz und quer über den Platz hopsen sah. Ich dachte als erstes an einen Flummy. Aber was sollte das nun wirklich sein? Die Direktorin sagte: “Das ist eine kleine Katze. Sie ist uns zugelaufen und springt seitdem wie irrsinnig rum. Keiner kann sie einfangen oder bändigen. Juli, sie sind unsere letzte Chance!” Ich war genauso ratlos. Auch ich hatte so eine Springkatze noch nicht gesehen. Aber natürlich verspürte ich sofort den Wunsch dem Kätzchen zu helfen - ich hatte es sofort gern. Mir kam eine Idee, vielleicht klappte der Trick. Ich kramte aus meiner Umhängetasche eine zerknüllte Brötchentüte raus und hielt sie immer grad in Richtung der Sprungbahn des Kätzchens. Und - ein Glück! Sie sprang rein. Nun hatte ich alle Mühe die Tüte zu bändigen. Das kleine Tier machte den Radau in der Tüte weiter. Aber ich wollte nun schleunigst nach hause, da würde mir schon noch was einfallen.

Als ich zur Wohnungstür hereinkam standen Eri und Gretchen schon ganz aufgebracht im Flur und wollten keinen Schritt zur Seite gehen, sondern sehen oder riechen oder was auch immer, was ich mitbrachte. Gretchen fing gleich an zu knurren, was in ein Grummeln und Jaulen überging. Ich war am verzweifeln! Was hatte ich nun wieder getan. Ich hab ein irres Katzending in einer Brötchentüte im Arm und meine armen alten treuen Haustiere waren ebenfalls grade auf dem Weg irre zu werden. Nachdem ich für Tür zu meinem Schlafzimmer hastig zugezogen hatte überlegte ich verzweifelt was ich nun machen könnte um der Situation Herr zu werden. Vorher konnte ich unmöglich wieder rauskommen.

Letztes Jahr stieß ich im Internet auf eine Kleinanzeige aus dem Bötzowviertel …

Als ich mit dem kleinen weiß-gefleckten Kerlchen nach hause kam war alles genauso wie im Traum von damals. Ein Gefauche und Gezeter! Grauenvoll! Ich war so glücklich mit meinem kleinen Willi, den ich in meine Strickjacke vorn eingepackt hatte und der von der anstrengenden Reise (die Straßenbahn fuhr an diesem Tag nicht) müde war und schlief. Und gleichzeitig so unglücklich, weil die beiden alten stink sauer waren. Zum heulen!

Das Ende vom Lied ist: Willi springt, Willi hüpft, vielleicht ist er die kleine irre Katze. Aber vor allem ist Willi der große Traum von meinem alten Kater - weil Eri Willi liebt.

Spatzen haben leere Bäuche

Abgelegt unter: liebe Tiere — admin @ 19:08

Brot hilft da wenig

Meine armen kleinen Freunde, müssen sich wegen des fehlenden Angebots an Würmern und Käfern von schäbigem Weißbrot ernähren. Dafür, dass die Menschen in der Stadt den geflügelten Kameraden die Lebensräume zuplanieren, werden sie zum Dank auch noch verscheucht, wenn sie pappige Kekskrümel vom Tisch picken. Damit können sie nämlich weder sich, noch den Nachwuchs anständig ernähren. Fast die Hälfte der Spatzenpopulation ist in den Großstädten schon eingegangen.

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