Das Tier in dieser Geschichte kommt eigentlich erst ganz am Ende vor. Ich erwähne es aber gleich, da ich von ihm zwar ein Foto aufgenommen habe - wie es aus einem winzigen kleinen Outdoorzelt auf der Karl-Marx-Allee, Höhe Schillingstraße, des nachtens herausschaut - es mich aber bat dieses Bild nicht im Internet zu veröffentlichen. Den Wunsch erfülle ich ihm hiermit, da ich diese Bekanntschaft gern zu einer Freundschaft ausbauen würde. Ich zeigte ihm meine anderen Bilder des Tages, die ich auf meiner Digitalkamera noch so hatte und wir beschlossen ein Bild an dessen Stelle zu nehmen, welches es sonst nicht in den Bolg geschafft hätte, da mir dazu nichts passendes eingefallen wäre.
… ja, ja ganz schön sakral-kitschig, aber mein lieber neuer Freund war ganz verzaubert von dieser Stimmung. Wahrscheinlich, so sagte er, weil er nur noch selten bei Tageslicht durch die Stadt bummelt. Davon könne bei mir heut ebenfalls keine Rede sein, erzählte ich, und begann an dieser lauen Spätsommernacht, den ganzen Abend noch mal rückwärts aufzurollen. Mein kleiner Zuhörer hatte es sich in seinem Minischlafsack bereits richtig gemütlich gemacht.
Ich selber war noch ein bisschen verwirrt, von den Eindrücken bei den Freimaurern, die sich ja auch zu den Illuminaten zählen und somit zur heutigen Nacht eine neue Beziehung hergestellt zu sein schien.
Im Zelt murmelte einer:
“Das Zeichen ist und bedeutet, dass man sich lieber das Herz ausreissen wolle, als die Geheimnisse der Gesellen zu verraten.
Der Griff besteht in einem Druck auf Knöchel des zweiten Fingers.
Das Wort darf nicht ausgesprochen werden, sondern wird nur buchstabiert oder halbiert. B.-O.-A.-S.”
Mir schauderte. Ob er vorhin im Vorgarten des Hauses der Großen National-Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” auf einem Baum gesessen und uns von oben zugesehen hatte? Vielleicht war er der Alte Fritz, wiedergeboren als Eichhörnchen? He, he!
Das fragte ich aber lieber nicht, sondern fuhr fort.
Am besten fand ich schon mal die Busfahrt! Wirklich, ein Pfad der Erkenntnis! Den Kaiserdamm hoch, und ich sag noch: “Hey guck mal, HIER ist Tilo Stöhr - ha ha. Son rischtijes Berlina Orjinal!” … und nu, pünktlich zur IFA, hat die Globalisierung dieses Lokalkolorit in die Knie gezwungen. Ich hatte es dann gleich in der Zeitung gelesen: “Elektrohändler Tilo Stöhr hat aufgegeben.” Schade, vielleicht hätte ich mir da mal ein Transistorradio gekauft.
An der Endstation angelangt kam es uns tatsächlich vor, als wären wir in Löwenberg oder Lindow auf einem historischen Wanderweg unterwegs. Wir folgten dem Klang einer Melodie, die immer wieder durch den heran rollenden Autoverkehr unterbrochen wurde, doch ganz klar und eindeutig die Töne eines Cembalos sein mussten. Wir tauschten unsere Schuhe ein und sahen einer alten kleinen Frau, an dem aus der Renaissance stammenden Tasteninstrument, beim Spielen zu. Passend dazu tanzten Frauen in Frauen- und Männerkleidern. Ein unvergessliches Bild!
(Fortsetzung folgt)







